Mit dem Cambridge Certificate: Legal, auch International Legal English Certificate (ILEC) genannt, können spezielle Englischsprachkenntnisse für eine Tätigkeit im internationalen Recht erworben werden, die dem Oberstufenniveau entsprechen. Die Kursinhalte wurden gemeinsam von Cambridge English Language Assessment und dem europäischen Unternehmen für Rechtssprache, TransLegal, entwickelt.
Was ist das Cambridge ILEC?
Das International Legal English Certificate (ILEC) ist eine Fachsprachprüfung von Cambridge Assessment English in Zusammenarbeit mit dem Transactional Law Practice Centre der Universität Melbourne. Es richtet sich an Juristinnen, Juristen, Rechtsreferendare und Jurastudierende, die ihre Englischkenntnisse im rechtlichen Kontext formell zertifizieren möchten.
Das ILEC deckt das Sprachniveau B2 bis C1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) ab. Kandidaten können je nach Ergebnis ein Zertifikat auf B2- oder C1-Niveau erhalten. Die Prüfung testet gezielt die Fähigkeit, in englischsprachigen Rechtsumgebungen professionell zu kommunizieren, schriftlich wie mündlich.
Was sind die wichtigsten Eckdaten?
| Kriterium | Details |
|---|---|
| CEFR-Niveau | B2–C1 (je nach Ergebnis) |
| Gesamtdauer | Ca. 3 Stunden 50 Minuten |
| Prüfungsteile | 4 (Reading, Writing, Listening, Speaking) |
| Bewertung | Cambridge English Scale; Ergebnis auf B2 oder C1 |
| Gültigkeit | Lebenslang |
| Typische Kosten | 200–300 € |
Niveaustufe des ILEC
Legal entspricht der Stufe B2/C1 des GER (Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen).
Die ILEC Prüfung
Weltweit werden die Prüfungen in etwa 300 Prüfungszentren durchgeführt, die folgende Bereiche umfassen:
- Lese- und Hörverstehen
- Mündlicher und schriftlicher Ausdruck
- Kenntnisse in Grammatik und Wortschatz
- Kommunikationsfähigkeit.
Zur Vorbereitung auf die Prüfung können eine Vielzahl an Hilfsmitteln und Materialien, wie z. B. Lehrbücher, Arbeitsblätter, Musterprüfungen, genutzt werden. Die Prüfung erfolgt in vier Teilen
- 75 Minuten: Leseverständnis,
- 40 Minuten: Hörverständnis,
- 16 Minuten: Sprechen,
- 75 Minuten: Schreiben
Die Prüfung kann als Papierversion oder auch am Computer durchgeführt werden. Die einzelnen Prüfungsergebnisse fließen zu gleichen Teilen in das Endergebnis.
Wie läuft die Prüfung im Detail ab?
Reading (100 Minuten)
- 6 Teile mit 45 Fragen
- Texttypen: Verträge, Kanzlei-Korrespondenz, Gesetzestexte, Gerichtsurteile, Rechtskommentare, Klienten-Beratungsschreiben
- Aufgabenformate: Multiple Choice, Lückentext (offene und geschlossene Form), Zuordnung (Matching), Schlüsselwort-Umformung
- Schwerpunkt: Juristisches Leseverstehen, rechtssprachlicher Wortschatz und Grammatik im Kontext
Writing (75 Minuten)
- 2 Aufgaben
- Task 1 (Pflicht): Schreiben einer juristischen Zusammenfassung oder eines Beratungsschreibens basierend auf vorgegebenen Informationen (120–180 Wörter)
- Task 2 (Pflicht): Verfassen eines rechtlichen Memorandums, einer Stellungnahme oder eines Vertragsentwurfs (200–250 Wörter)
- Bewertungskriterien: Inhaltliche Vollständigkeit, juristischer Stil, Register, Kohärenz und sprachliche Korrektheit
Listening (40 Minuten)
- 4 Teile mit 30 Fragen
- Hörtexte: Mandantengespräche, Kanzlei-Besprechungen, Vorlesungen zu Rechtsthemen, Verhandlungsszenarien
- Aufgabenformate: Multiple Choice, Satzvervollständigung, Zuordnung
- Jede Aufnahme wird zweimal abgespielt
Speaking (15 Minuten, Partnerprüfung)
- 3 Teile
- Part 1: Interview zu beruflichem Hintergrund und juristischer Erfahrung
- Part 2: Diskussion einer juristischen Fallstudie mit dem Prüfungspartner
- Part 3: Vertiefende Diskussion zu rechtlichen und ethischen Fragestellungen
Beispielaufgaben: Cambridge ILEC
Das International Legal English Certificate prüft Englisch im juristischen Arbeitsumfeld auf B2 bis C1. Vorausgesetzt wird juristisches Grundverständnis, geprüft wird die Sprache.
5 Aufgaben aus 5 Prüfungsteilen. Niveau: B2 bis C1. Nachgebaute Aufgaben im Originalformat, keine Aufgaben aus echten Prüfungssätzen.
Leseverstehen1 AufgabeReading, Fachwortschatz Vertragsrecht
- 1ReadingReading, Fachwortschatz VertragsrechtClause 14.2: "Neither party shall be liable for any failure to perform its obligations where such failure results from circumstances beyond its reasonable control."
Welche Vertragsklausel wird hier beschrieben?
Richtig ist A: A force majeure clause
ErklärungHöhere Gewalt wird genau so umschrieben: keine Haftung bei Umständen außerhalb der zumutbaren Kontrolle. Eine Indemnity regelt Freistellung, eine Jurisdiction-Klausel den Gerichtsstand, eine Severability-Klausel die Wirksamkeit im Übrigen. Das ILEC prüft, ob Sie Klauseltypen am Wortlaut erkennen.
Sprachbausteine und Wortschatz1 AufgabeReading, Kollokationen der Rechtssprache
- 2Use of EnglishReading, Kollokationen der RechtsspracheThe claimant intends to ________ proceedings against the supplier.
Welches Verb passt in die Lücke?
Richtig ist A: bring
Erklärung„to bring proceedings" ist die feste juristische Wendung für Klage erheben. Auch „institute proceedings" wäre korrekt, „make" oder „do" sind es nie. Kollokationen sind im Fachenglisch weniger verhandelbar als in der Alltagssprache, weil sie in Schriftsätzen wiedererkannt werden müssen.
Hörverstehen1 AufgabeListening, Mandantengespräch
- 3HörenListening, MandantengesprächTranskript: Solicitor: "Before we go further, I should make clear that anything you tell me is privileged, but that protection does not extend to documents you have already sent to the other side."
What is the solicitor explaining?
Richtig ist A: The limits of legal professional privilege
Erklärung„Privileged" bezeichnet den Schutz der Mandantenkommunikation, „does not extend to" markiert dessen Grenze. Der Hörteil prüft, ob Sie einen Vorbehalt als solchen erkennen. Wer nur „privileged" hört, übersieht die entscheidende Einschränkung im zweiten Satzteil.
Schriftlicher Ausdruck1 AufgabeWriting Part 1 (Mandantenschreiben, etwa 120 bis 180 Wörter)
- 4SchreibenWriting Part 1 (Mandantenschreiben, etwa 120 bis 180 Wörter)
Eine Mandantin fragt, ob sie einen Vertrag kündigen kann, in dem eine Kündigungsfrist von drei Monaten vereinbart ist. Schreiben Sie ihr eine kurze Einschätzung in verständlichem Englisch.
MusterlösungDear Ms Berger, Thank you for sending us the agreement dated 3 February. Clause 9 provides for termination on three months' written notice. This means you may end the agreement, but the contract will continue to run, and payment obligations will continue, until the notice period expires. There is one qualification. Clause 9.3 allows immediate termination for material breach. On the facts you have described, the repeated late deliveries may amount to such a breach, but this would need to be documented carefully before we rely on it. I would suggest we serve notice under clause 9 now, without prejudice to any right to terminate earlier. Kind regards,
ErklärungDas ILEC bewertet, ob Sie juristisch präzise und zugleich für Laien verständlich schreiben. Fachbegriffe dürfen stehen bleiben, müssen aber in ihrer Folge erklärt werden. Der Zusatz „without prejudice to" ist ein Standardvorbehalt und zeigt Registerbeherrschung.
Mündlicher Ausdruck1 AufgabeSpeaking, Fachdiskussion
- 5SprechenSpeaking, Fachdiskussion
Erläutern Sie einer Mandantin auf Englisch den Unterschied zwischen einer Vertragsstrafe und einem pauschalierten Schadensersatz und warum das im englischen Recht relevant ist.
Musterlösung"The distinction matters because English courts will enforce one and not the other. A liquidated damages clause is a genuine pre-estimate of the loss the innocent party would suffer. A penalty clause, by contrast, is designed to punish the party in breach, and it is unenforceable. So if we set the figure far above any loss you could plausibly suffer, we risk losing the clause altogether and having to prove actual loss instead."
ErklärungGeprüft wird die Fähigkeit, eine fachliche Unterscheidung ohne Fachjargon zu erklären und ihre praktische Folge zu benennen. Der letzte Satz ist der entscheidende: Er beantwortet die eigentliche Frage der Mandantin, nämlich was das für sie bedeutet.
Zielgruppe des ILEC
Legal richtet sich an Teilnehmer, die als Rechtsanwalt im internationalen Bereich tätig sind oder ein Studium der Rechtswissenschaften absolvieren. Diese hochwertige Prüfung wurde speziell für Rechtsanwaltsbüros und Rechtsabteilungen im Geschäftsbereich sowie Regierungsbehörden entwickelt.
Die Vorteile des ILEC
Jurastudenten können durch Legal nicht nur ein englischsprachiges Studium der Rechtswissenschaften im eigenen Land oder im Ausland absolvieren, sondern erhöhen auch die Chancen, eine Tätigkeit im international juristischen Bereich zu finden. Rechtsanwälte können ihre Tätigkeit auf einen international juristischen Bereich erweitern, in einem Unternehmen beruflich aufsteigen oder die eigenen Englischkenntnisse erweitern.
In dem Vorbereitungskurs kommen die unterschiedlichen Sprachvarianten (z. B. Amerikanisches Englisch, Britisches Englisch) zur Anwendung. Auch Teilnehmer unterschiedlicher Nationalitäten oder mit einem anderen sprachlichen Hintergrund können einen Vorbereitungskurs besuchen. Die Prüfungszertifikate werden weltweit von tausenden Arbeitgebern, Universitäten und Regierungen anerkannt und haben eine lebenslange Gültigkeit.
Die Lernziele des ILEC
Mit dieser Qualifikation können Teilnehmer
- englische Sprachkenntnisse in verschiedenen Situationen praktisch anwenden,
- sich aktiv an Versammlungen oder Diskussionen beteiligen,
- klar ihre Meinung zum Ausdruck bringen,
- spezifische Texte (z. B. Aktenvermerke, Rechtskorrespondenz) verstehen bzw. verfassen.
Karriereanwendungen im internationalen Recht
Das ILEC ist besonders wertvoll in folgenden beruflichen Kontexten:
- Internationale Wirtschaftskanzleien: Nachweis der Fähigkeit, Verträge, Memoranden und Korrespondenz auf Englisch zu verfassen
- Rechtsabteilungen internationaler Unternehmen: Für Juristinnen und Juristen, die mit englischsprachigen Kollegen und Partnern zusammenarbeiten
- EU-Institutionen: Ergänzende Qualifikation für juristische Positionen bei der Europäischen Kommission, dem EuGH oder dem Europäischen Parlament
- Arbitration und Mediation: Internationale Schiedsverfahren werden überwiegend auf Englisch geführt
- LLM-Studiengänge: Vorbereitung auf ein Master of Laws an englischsprachigen Universitäten
- Cross-Border-Transaktionen: M&A, Finanzierung und internationale Handelsverträge erfordern präzises Legal English
ILEC vs. TOLES: Vergleich
| Kriterium | ILEC | TOLES (Test of Legal English Skills) |
|---|---|---|
| Anbieter | Cambridge Assessment English | Global Legal English Ltd. |
| Niveau | B2–C1 | 3 Stufen: Foundation, Higher, Advanced |
| Fertigkeiten | Alle 4 (R/W/L/S) | Nur Lesen und Schreiben |
| Speaking-Teil | Ja (Partnerprüfung) | Nein |
| Gültigkeit | Lebenslang | Lebenslang |
| Bekanntheit | Hoch bei internationalen Kanzleien | Hoch bei britischen Kanzleien und LLM-Programmen |
| Kosten | 200–300 € | 100–200 € (je nach Stufe) |
| Fokus | Breite juristische Kommunikation | Vertragssprache und Transaktionsenglisch |
Für eine umfassende Zertifizierung aller Sprachfertigkeiten ist das ILEC die bessere Wahl. TOLES eignet sich als fokussierte Ergänzung, insbesondere für Vertragsrecht und Transaktionspraxis.
Die Anmeldung zum ILEC
Teilnehmer können die Anmeldung direkt bei dem jeweiligen Prüfungszentrum vornehmen, wo die Prüfungen monatlich an festgelegten Prüfungsterminen durchgeführt werden.
Die Kosten des ILEC
Da die Prüfungsgebühren werden von den jeweiligen Prüfungszentren festgelegt werden, müssen Teilnehmer die vor Ort erfragen.
Wie bereiten Sie sich vor?
- Rechtstexte lesen: Lesen Sie regelmäßig englische Gerichtsurteile, Verträge und Rechtskommentare (z. B. auf BAILII, EUR-Lex oder in Law Reviews).
- Offizielles Lehrmaterial: Nutzen Sie „Introduction to International Legal English" und „International Legal English" (Cambridge University Press), beide Bücher sind direkt auf das ILEC zugeschnitten.
- Schreiben üben: Verfassen Sie regelmäßig juristische Zusammenfassungen, Memoranden und Beratungsschreiben auf Englisch. Lassen Sie diese von Kolleginnen oder Kollegen gegenlesen.
- Fachvokabular: Erstellen Sie systematisch Vokabellisten zu Rechtsgebieten wie Vertragsrecht, Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Strafrecht und internationalem Recht.
- Moot Courts: Nehmen Sie an englischsprachigen Moot Courts oder Debatten teil, um Ihre mündliche juristische Argumentation zu stärken.
Häufige Fragen
- Auf welchem Niveau liegt das ILEC?
- Das ILEC deckt den Bereich B2–C1 des GER ab. Je nach Ergebnis erhalten Sie ein Zertifikat auf B2- oder C1-Niveau. C1 belegt fortgeschrittene juristische Englischkenntnisse, B2 solide Fachsprachkompetenz.
- Wird das ILEC von Kanzleien anerkannt?
- Ja, viele internationale Wirtschaftskanzleien (insbesondere Magic Circle Firms, US-Kanzleien mit europäischen Büros und große europäische Kanzleien) erkennen das ILEC als Nachweis berufssprachlicher Kompetenz an. Es wird auch von Rechtsabteilungen multinationaler Unternehmen geschätzt.
- Wie oft wird das ILEC angeboten?
- Die Prüfung wird mehrmals jährlich an autorisierten Cambridge-Zentren weltweit angeboten. Die genauen Termine variieren je nach Prüfungszentrum, erkundigen Sie sich frühzeitig.
- Brauche ich einen juristischen Abschluss für das ILEC?
- Nein, ein Jura-Abschluss ist keine formale Voraussetzung. Die Prüfung ist jedoch auf juristische Fachsprache ausgerichtet, sodass Grundkenntnisse im Recht (oder Berufserfahrung in einer Kanzlei) sehr hilfreich sind.
- Ist das ILEC noch aktuell verfügbar?
- Cambridge hat das ILEC in einigen Regionen in das breitere B2/C1 Business-Portfolio integriert. Prüfen Sie beim lokalen Cambridge-Prüfungszentrum, ob das ILEC als eigenständige Prüfung angeboten wird oder ob eine alternative Cambridge-Qualifikation empfohlen wird.
- Wird das ILEC noch angeboten?
- Cambridge hat das ILEC als eigenständige Prüfung eingestellt. Wer heute Rechtsenglisch nachweisen will, nutzt in der Regel ein allgemeines C1 Advanced in Kombination mit fachlicher Erfahrung oder legt TOLES ab, das im anglo-amerikanischen Kanzleiumfeld verbreitet ist.
- Brauche ich ein Jurastudium für die Prüfung?
- Nein, aber ohne juristisches Grundverständnis ist der Wortschatz schwer zugänglich. Geprüft wird die Sprache, nicht das Recht: Sie müssen keine Fälle lösen, wohl aber eine Vertragsklausel richtig einordnen und einer Mandantin verständlich erklären können.
- Welches Sprachniveau setzt Rechtsenglisch voraus?
- Realistisch B2 als Untergrenze, sinnvoll ist C1. Juristische Texte arbeiten mit langen Schachtelsätzen, Passivkonstruktionen und Wendungen, deren Bedeutung von der Alltagssprache abweicht, etwa consideration oder without prejudice.
- Wie bereite ich mich auf Rechtsenglisch vor?
- Am wirksamsten sind Originaldokumente: Musterverträge, Schriftsätze und Mandantenschreiben englischsprachiger Kanzleien. Lehrbücher wie International Legal English decken die Terminologie ab, ersetzen aber nicht das Lesen echter Klauseln. Legen Sie sich eine eigene Sammlung fester Wendungen an.
- Was bringt ein Rechtsenglisch-Zertifikat auf dem Arbeitsmarkt?
- In internationalen Kanzleien und Rechtsabteilungen ist es ein deutliches Signal, ersetzt aber keine Berufserfahrung. Am stärksten wirkt es bei Berufseinstieg und Wechsel, wenn noch keine englischsprachigen Mandate im Lebenslauf stehen.