Was ist der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen?
Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen, kurz GER, ist der Maßstab, auf den sich fast alle Sprachzertifikate weltweit beziehen. Der Europarat hat ihn entwickelt und 2001 veröffentlicht. Sein Grundgedanke ist einfach: Sprachkenntnisse werden nicht in Schulnoten oder Lernjahren gemessen, sondern in dem, was jemand in der Sprache tun kann.
Deshalb besteht der Referenzrahmen aus Kann-Beschreibungen, getrennt nach Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben. Ein Beispiel für B1: Kann die meisten Situationen bewältigen, denen man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet. Diese Formulierungen sind der Grund, warum sich ein französisches DELF und ein deutsches Goethe-Zertifikat vergleichen lassen.
Welche Niveaustufen gibt es?
| Gruppe | Stufe | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|
| Elementare Sprachverwendung | A1 | Vertraute Alltagsausdrücke, Verständigung mit Hilfe des Gegenübers |
| A2 | Einfache Routinesituationen selbstständig bewältigen | |
| Selbstständige Sprachverwendung | B1 | Hauptpunkte bei klarer Standardsprache, Reisesituationen |
| B2 | Komplexe Texte, normales Gespräch mit Muttersprachlern | |
| Kompetente Sprachverwendung | C1 | Anspruchsvolle Texte, implizite Bedeutungen, fließender Ausdruck |
| C2 | Praktisch alles mühelos verstehen, feine Bedeutungsnuancen |
Seit dem Begleitband von 2020 kommt unterhalb von A1 die Stufe Pre-A1 hinzu, außerdem neue Deskriptoren für Sprachmittlung, Online-Interaktion und Mehrsprachigkeit. Pre-A1 ist eine Stufe für den Unterricht, Zertifikate gibt es weiterhin erst ab A1.
Wie lange dauert der Weg durch die Stufen?
Als Anhaltspunkt dient der Kursaufbau des Goethe-Instituts für Deutsch als Fremdsprache. Im Intensivkurs sind für A1 75 Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten vorgesehen, für A2 und B1 je 150, für B2 225 und für C1 sowie C2 wiederum je 150. Kumuliert ergibt das rund 600 Unterrichtsstunden bis B2 und etwa 900 bis C2.
Diese Zahlen gelten für eine Sprache, die dem Deutschen verwandt ist, und für Kurszeit ohne Eigenarbeit. Bei Sprachen ohne Verwandtschaft oder mit eigenem Schriftsystem verschieben sie sich erheblich nach oben. Wer Finnisch, Chinesisch oder Japanisch lernt, sollte mit einem Vielfachen rechnen.
Welches Niveau brauchen Sie wofür?
- A1: Ehegattennachzug nach dem deutschen Aufenthaltsgesetz
- A2: Einzelne Aufenthaltszwecke, Einstiegsqualifikationen im Beruf
- B1: Einbürgerung, Niederlassungserlaubnis, duale Ausbildung
- B2: Approbationsverfahren im Gesundheitswesen, englischsprachige Masterprogramme, Studienkolleg
- C1: Deutschsprachiges Studium über DSH-2 oder TestDaF, verkürzte Einbürgerung, Fachsprachprüfung
- C2: Lehrtätigkeit an Schulen, Übersetzen und Dolmetschen
Häufige Fragen zu den Sprachniveaus
- Welches Niveau ist verhandlungssicher?
- Der Referenzrahmen kennt diesen Begriff nicht. In Stellenausschreibungen ist damit üblicherweise C1 gemeint, gelegentlich auch ein starkes B2. Wenn Sie den Begriff im Lebenslauf verwenden, ergänzen Sie die GER-Stufe, sonst bleibt die Angabe unüberprüfbar.
- Ist C2 Muttersprachlerniveau?
- Nein. Der Referenzrahmen stellt ausdrücklich klar, dass C2 die höchste beschriebene Beherrschung der Sprache als Werkzeug meint, nicht die Kompetenz einer muttersprachlichen Person. Kulturelles Hintergrundwissen und regionale Varianten sind nicht Gegenstand der Beschreibung.
- Kann ich Niveaustufen überspringen?
- Ja. Es gibt keine Vorschrift, die Stufen der Reihe nach abzulegen, und kein Anbieter verlangt ein Zertifikat der Vorstufe als Zulassung. Ein höheres Zertifikat ersetzt alle darunterliegenden in jedem Verfahren, das nur die niedrigere Stufe fordert.
- Wie finde ich heraus, auf welchem Niveau ich bin?
- Am verlässlichsten über einen vollständigen offiziellen Modelltest unter Zeitbedingungen. Kostenlose Online-Einstufungstests der Anbieter geben eine erste Richtung, überschätzen aber häufig, weil sie Sprechen und Schreiben nicht prüfen.
- Gelten die Stufen für alle Sprachen gleich?
- Die Beschreibungen ja, der Zeitaufwand nicht. B2 bedeutet in jeder Sprache dieselbe Handlungsfähigkeit, der Weg dorthin dauert bei nicht verwandten Sprachen mit eigenem Schriftsystem aber deutlich länger. Tests mit eigener Skala wie HSK und JLPT lassen sich nur näherungsweise zuordnen.